Kreuzkirche-KW und Sprengel KW

 

Gedanken zum Monatsspruch Juni

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Apg 5,29

Wenn man Gott und Mensch ins Verhältnis setzt, ergibt sich vor allem eines: Distanz. Gott und Mensch liegen auf unterschiedlichen Ebenen, sind unterschiedlichen Kategorien zuzuordnen.

Für uns als Christen gilt: Unser ganzes Leben ist auf Gott ausgerichtet. Gott ist unsere wichtigste Referenzgröße. Gleichzeitig sind wir aber an unsere Mitmenschen gewiesen. Im höchsten Gebot sind deswegen Gottes- und Menschenliebe genannt. Das eine bedingt hier das andere. Die Liebe zu Gott macht die Liebe zum Nächsten überhaupt erst möglich.

Nun bringt der Monatsspruch eine weitere Kategorie ins Spiel: Den Gehorsam. Der Begriff ist heute eher ungebräuchlich. Er klingt für mich nach Unterordnung, Ungleichheit und Hierarchie. Wir sprechen heute lieber von Gleichberechtigung.

Begegnung soll möglichst auf Augenhöhe stattfinden. Aber hier geht es ja um den Gehorsam gegenüber Gott. Das erscheint mir sinnvoll und nachvollziehbar. Darum geht es ja im Kern beim Christ-Sein: Gott dienen.

Was ist nun aber mit dem Gehorsam gegenüber Menschen gemeint? Geht es um Gehorsam gegenüber der Obrigkeit bzw. dem Staat?

Die Kernfrage zum Monatsspruch ist hier für mich: Wann können der Gehorsam gegenüber Gott und der gegenüber den Menschen, dem Staat, potentiell in Konflikt geraten?

Vielleicht wenn der Staat von seinen Bürgern etwas verlangt, was nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar ist. Immer wenn vom Staat etwa Diskriminierung und Ausgrenzung ausgeht.

So ist die Quintessenz aus dem Vers aus der Apostelgeschichte: Gott steht über allem. Er ist und bleibt der wichtigste Bezugspunkt. Für den Kompass eines jeden Christen gilt: Norden ist dort, wo Gott uns hinweist und hinführt. An erster Stelle steht Gott, alles andere ist dem nachgeordnet. So muss man folglich Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Seien Sie gesegnet und bleiben Sie behütet,

Ihr Pfarrer Boris Witt


Gedanken zur Jahreslosung 2021

Ich bin nicht geschockt, wenn Konfirmanden mit dem Wort Barmherzigkeit nichts anfangen können. Es kommt in ihrer Sprache einfach nicht mehr vor. Inständig hoffe ich aber, dass sie dafür andere Wörter gefunden haben. Inständig hoffe ich, dass die meisten noch wissen, dass Barmherzigkeit lebensnotwendig für unser Zusammenleben ist. 
Bin ich ein Gutmensch, ein Menschenfreund, einer, der gern Gutes tut, weil er hofft, dass dadurch auch viel Gutes zurückkommt, nach dem Motto: wie du mir so ich dir?  
Gut, dass es  barmherzigen Menschen gibt. Sie sind ein Hoffnungsschimmer für diese Welt. Sie lindern Not und verbreiten Hoffnung und Freude. Das Wort Barmherzigkeit (lat. misericordias) beschreibt ein Gefühl, das Menschen in ihrem tiefsten Inneren (Herz = cor) trifft. Sie sehen nicht nur die Not (die Misere) des Anderen, sondern sie fühlen sie auch.

Dieses tiefe Mitfühlen, dieses Helfen- und Mittragenwollen, dieses Gefühl, nicht tatenlos zusehen zu können, ganz ohne Berechnung, sondern aus Liebe, das kann nicht aus mir selbst herauskommen.
Luther hat das in seiner direkten Sprache so formuliert: ”Der Mensch ist von Natur aus verderbt.” Der Mensch wägt ab, berechnet, überlegt, was bringt’s? 

Aber ich kann diese selbstlose Liebe und Zugewandtheit für Andere spüren, wenn ich selbst die Erfahrung gemacht habe, unvoreingenommen geliebt zu sein, wenn ich spüre, dass Gott selbst das ”Ja” über mein Leben ausgesprochen hat. 

Die Jahreslosung ermutigt mich also, rückblickend mein Leben zu betrachten und zu schauen, wo mir Gottes barmherziges Handeln im eigenen Leben begegnet ist, wo es wichtige Weichen gestellt hat? 

Das Wissen darum, das auch Glaube heißt, versetzt mich in die Lage, diese bedingungslose Liebe auch Anderen gegenüber zu empfinden- quasi selbst barmherzig zu werden.

Ohne Initiator, ohne Schwungrad geht das nicht. Ich brauche immer wieder Gottes barmherzige und gnädige Liebe, die mir zeigt, wie wichtig und einzigartig ich bin. Denn dann verstehe ich auch, dass die Menschen um mich auch wichtig und einzigartig sind. Dann rührt mich die Misere Anderer in meinem Tiefsten ebenso an. 

Barmherzig sein: das wäre doch ein großartiger Vorsatz für das kommende Jahr!

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr Pfr. Ingo Arndt

 

  

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