Kreuzkirche-KW und Sprengel KW

 


     

Andacht zur Jahreslosung 2024

 

"Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe" 

(1. Korinther 16,14).
Am Ende eines Jahres schaut man gern zurück. Wir feierten im letzten Jahr den 100. Geburtstag von Loriot, der am 12. November 1923 in Brandenburg/Havel geboren wurde. Ich möchte an dieser Stelle an die Geschichte des Ehepaares Arndt erinnern. Sie waren es, die Vicco von Bülow 1983 nach Brandenburg/Havel einluden. Am 30. November 1923 wurde Loriot dort in der St. Gotthardt Kirche getauft.
Bei Recherchen war die damalige Leiterin des Dommuseums, Gerda Arndt, auf den Taufeintrag gestoßen und hatte den Kontakt zu Loriot aufgenommen, verbunden mit der herzlichen Einladung zum Besuch seiner Geburtsstadt. Loriot hatte zu diesem Zeitpunkt in der DDR noch nicht ausgestellt. Warum also nicht eine Ausstellung seiner Werke in seiner Geburtsstadt organisieren? Loriot zeigte großes Interesse – auch wenn sein Terminkalender in dieser Zeit sehr voll war – und es entwickelte sich ein reger Austausch. Am 18. Mai 1985 sollte die Ausstellung im Brandenburger Dommuseum eröffnet werden. Nur wie sollten die Zeichnungen, Bücher, Fotos und allerlei Extras in die DDR kommen? Altbischof Albrecht Schönherr, der dem Dom sehr verbunden war, übernahm mit Loriot zusammen die Auswahl von 80 Ausstellungsstücken. Über diplomatische Schleichwege gelangten die Werke in die DDR.
Wie die Ausstellung zeigte, war die Auswahl von großem Erfolg gekrönt. Die Eröffnungsfeier im Brandenburger Dom verfolgten 1000 Besucher, die die Ausstellung an diesem Tag sehen und natürlich Loriot live begegnen wollten. Angereist waren auch der Ständige Vertreter in der DDR, Dr. Otto Bräutigam, der DDR- Staatssekretär für Kirchenfragen, Klaus Gysi, und Karl Kultscher vom Eulenspiegelverlag. Die Staatssicherheit erfuhr angeblich erst am nächsten Tag aus der Bild-Zeitung von dem Event im Dom. Die Ausstellung zog so viele Besucher wie noch nie ins Dommuseum und musste sogar verlängert werden.
Diese Tage in Brandenburg hinterließen unvergessliche Eindrücke bei Loriot, wie er in einem Brief an die Familie Arndt vom 8. Juni 1985 gestand. Die neue Verbindung zu seiner alten Heimat führte später zu seinem sozialen und kulturellen Engagement in Brandenburg. Die Stadt macht ihn 1993 zum Ehrenbürger. In seiner Dankesrede vor den Stadtverordneten sagte Loriot unter anderem, nun freue er sich auf die Möglichkeiten, die sich ihm als Ehrenbürger böten: „Bei Rot über die Kreuzung zu fahren und Müll auf öffentlichen Grünflächen abzuladen.“ Das tat er natürlich nie. Nach der Wende reiste Loriot regelmäßig in seine Geburtsstadt, auch um Gespräche mit Alfred Arndt über die Gründung einer Stiftung zu führen. Am 4. März 1993 nahm die Vicco-von-Bülow-Stiftung ihre Arbeit auf. Seitdem konnten viele Projekte der Jugend- und Kulturförderung unterstützt werden. Loriots letzte große Aktion war mit dem Spendenaufruf zur Sanierung der Nordkapelle der St. Gotthardt Kirche verbunden. Am Ende konnte seine alte Taufkapelle im neuen Glanz erstrahlen.
Angefangen hatte alles mit der etwas abwegigen Idee eines Ehepaares in der DDR, Loriot nach Brandenburg einzuladen. Oft sind es die kleinen Ideen, die einen Stein ins Rollen bringen. Die Jahreslosung, die Christen im kommenden Jahr begleiten soll, gibt da einen guten Hinweis. „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ (1. Kor. 16,14). Denn wenn etwas mit Liebe geschieht, kann Großes entstehen. Damals war es die Liebe des Ehepaares Arndt, meiner Eltern, zu Loriot und seiner Kunst, aber auch die Liebe Loriots zu seiner Geburtsstadt, die damals geweckt wurde.

Einen guten Start in ein hoffentlich liebevolles neue Jahr wünscht Ihnen

Ihr Pfr. Ingo Arndt


Der Artikel erschien am 30. Dezember 2023 in der MAZ - Gedanken zum Wochenende.

 

Rede zur Demonstration

 für Demokratien, Gleichberechtigung und Menschenwürde

in Auszügen am 3. Februar auf dem Kirchplatz KW  (Pfr. Arndt)

Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein. Ich bin froh und stolz, hier als Christ leben und arbeiten zu dürfen und nicht in Russland oder im Iran oder in irgendeinem Land, in dem Christen nicht nur misstrauisch beäugt, sondern verfolgt und getötet werden.
Ich kenne noch die Zeiten, in denen auch hier in KW  Christen verhöhnt und verspottet wurden und ihnen der Zugang zu höherer Bildung verwehrt wurde, weil ihre Eltern nicht aus der Arbeiterklasse stammten. Ich erinnere mich an die Zeiten, als uns die Stasi auf offener Straße zwang, unsere Schwerter zu Pflugscharen- Aufnäher abzureißen... 
...Ich bin froh, heute in einer Demokratie leben zu dürfen. In einer Demokratie darf jeder seine Meinung sagen, darf auch mal die Zufahrt zu Autobahnen versperrt, Busse und Bahnen bestreiken werden, ja sogar jeden Montag lautstark durch die Straßen gezogen werden.  Demokratie ist anstrengend und mitunter auch teuer. Immer muss um die beste Lösung gerungen werden, muss man Widersprüche aushalten und ausdiskutieren. So unterschiedlich und bunt, wie jeder einzelne von uns ist, so unterschiedlich sind auch die Ansichten und Meinungen. Dass man sich mit Respekt begegnet und sich an Konventionen hält, ist die Basis unseres Zusammenlebens.
Ich bin stolz darauf, als Christ in einem Land zu leben, in dem christlich- humanistische Traditionen weiterhin erkennbar sind. Dazu gehört, dass wir uns auch um die Schwachen in der Gesellschaft kümmern, dass wir Menschen unterstützen, die, um ihr Leben zu retten, flüchten mussten. Ich bin als Christ froh, dass ernsthaft politisch darüber nachgedacht wird, wie wir die Erde, die Schöpfung, retten können. Ich bin froh darüber, dass sich ehrliche Arbeit in diesem Land lohnt und das auch die getragen werden, die nicht so leistungsstark sind- aus welchem Grund auch immer.
Natürlich habe ich als Christ auch meine Fragen an die politischen Verantwortlichen, ärgere ich mich, wenn meine Ängste und Bedenken nicht erstgenommen werden, wenn Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt.
Aber richtig Angst bekomme ich, wenn ich erlebe, wie Hass und die scheinbar einfachen Lösungen wie ein Krebsgeschwür immer mehr Einfluss in unserer Gesellschaft gewinnen. Wenn Menschen in ihren Überzeugungsblasen nicht mehr für die Demokratie zu gewinnen sind.
"Was soll noch passieren: Die Nachrichten dieser Tage und Wochen zeigen die Gefahren von Radikalisierung und Rechtsextremismus. Es kommt darauf an, wo immer möglich, sichtbar und laut zu werden. Gemeinsam sind wir mehr. Gemeinsam können wir feiern und verteidigen, was wir lieben: eine freiheitliche Demokratie.
Und deshalb stehe ich hier und demonstriere für Demokratie und Zusammenhalt.  
„Als Christeninnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass vor Gott alle Menschen gleich sind – unabhängig von ihrer sozialen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit“, sagt Dr. Christian Nottmeier, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Neukölln. „Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind bei aller Toleranz mit unserem christlichen Glauben nicht vereinbar.
 


 


 

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