Kreuzkirche-KW und Sprengel KW

 

Gedanken zum Monatsspruch Mai

Es kommt schon vor, dass ich meinen Mund aufmache. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und mir ein Auto die Vorfahrt nimmt. Ja, dann kann ich schon mal laut werden. Oder sie sollten mich mal in der Arena hören, wenn meine Lieblingsmannschaft spielt. Leise ist anders. Aber das kennen Sie ja auch: Wenn Sie etwas besonders ärgert oder wenn man sich über etwas so richtig freut, wird man lauter, dann öffnet sich der Mund.

    Gegenprobe: Wenn mich etwas nicht interessiert, mache ich meinen Mund auf? Oft ist es ja auch wirklich besser, den Mund zu halten. Man kann sich viel Ärger ersparen.


 Der Monatsspruch für Mai legt da den Finger in eine Wunde und fordert uns auf: Mach doch mal den Mund auf! Setz dich für die Schwachen ein! Reflexartig kontern wir: „Wer sind wir denn? Wir haben keine Macht, sind keine Politiker, haben kein Mandat. Und überhaupt: Wer sind denn die Schwachen, wer ist denn wirklich stumm? Wer braucht unsere Hilfe tatsächlich?

     Interessanterweise können wir diese Fragen beantworten. Es sind nämlich die Menschen, die uns das gute Gefühl geben, dass wir etwas Besseres sind. Es sind die, die auf irgendwelchen gedanklichen Leitern unter uns stehen, oder in dessen Haut wir nicht stecken möchten. Wer möchte schon ohne Heimat in einem Übergangswohnheim hausen? Wer ist nicht froh, vor Internetmobbing oder übler Nachrede bis jetzt verschont zu sein? Wer ist nicht dankbar, sein Gehalt und seine Rente jeden Monat trotz Pandemie zu bekommen?

    Ja, wir kennen sie, die Schwachen und Stummen. Und deshalb wird uns Mut gemacht, ihnen Hilfe zukommen zu lassen: Wenn ihnen das Wort im Munde umgedreht wird, wenn sie einen Für-sprecher brauchen, wenn sie sich nicht zurechtfinden in unserer digitalen Welt oder in unseren Ordnungen.

    Und warum sollten wir das tun? Weil uns unser Herr Jesus Christus das zumutet! „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.“    (Galater 6,2)

    Und weil wir das können! Nicht immer und überall, aber dort, wo es uns gegeben ist, sollen wir uns beherzt, freundlich und mit Nachdruck stark machen.

Amen.                    Ihr Pfarrer Ingo  Arndt



Gedanken zur Jahreslosung 2021

Ich bin nicht geschockt, wenn Konfirmanden mit dem Wort Barmherzigkeit nichts anfangen können. Es kommt in ihrer Sprache einfach nicht mehr vor. Inständig hoffe ich aber, dass sie dafür andere Wörter gefunden haben. Inständig hoffe ich, dass die meisten noch wissen, dass Barmherzigkeit lebensnotwendig für unser Zusammenleben ist. 
Bin ich ein Gutmensch, ein Menschenfreund, einer, der gern Gutes tut, weil er hofft, dass dadurch auch viel Gutes zurückkommt, nach dem Motto: wie du mir so ich dir?  
Gut, dass es  barmherzigen Menschen gibt. Sie sind ein Hoffnungsschimmer für diese Welt. Sie lindern Not und verbreiten Hoffnung und Freude. Das Wort Barmherzigkeit (lat. misericordias) beschreibt ein Gefühl, das Menschen in ihrem tiefsten Inneren (Herz = cor) trifft. Sie sehen nicht nur die Not (die Misere) des Anderen, sondern sie fühlen sie auch.

Dieses tiefe Mitfühlen, dieses Helfen- und Mittragenwollen, dieses Gefühl, nicht tatenlos zusehen zu können, ganz ohne Berechnung, sondern aus Liebe, das kann nicht aus mir selbst herauskommen.
Luther hat das in seiner direkten Sprache so formuliert: ”Der Mensch ist von Natur aus verderbt.” Der Mensch wägt ab, berechnet, überlegt, was bringt’s? 

Aber ich kann diese selbstlose Liebe und Zugewandtheit für Andere spüren, wenn ich selbst die Erfahrung gemacht habe, unvoreingenommen geliebt zu sein, wenn ich spüre, dass Gott selbst das ”Ja” über mein Leben ausgesprochen hat. 

Die Jahreslosung ermutigt mich also, rückblickend mein Leben zu betrachten und zu schauen, wo mir Gottes barmherziges Handeln im eigenen Leben begegnet ist, wo es wichtige Weichen gestellt hat? 

Das Wissen darum, das auch Glaube heißt, versetzt mich in die Lage, diese bedingungslose Liebe auch Anderen gegenüber zu empfinden- quasi selbst barmherzig zu werden.

Ohne Initiator, ohne Schwungrad geht das nicht. Ich brauche immer wieder Gottes barmherzige und gnädige Liebe, die mir zeigt, wie wichtig und einzigartig ich bin. Denn dann verstehe ich auch, dass die Menschen um mich auch wichtig und einzigartig sind. Dann rührt mich die Misere Anderer in meinem Tiefsten ebenso an. 

Barmherzig sein: das wäre doch ein großartiger Vorsatz für das kommende Jahr!

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr Pfr. Ingo Arndt

 

  

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