Kreuzkirche-KW und Sprengel KW

 

Gedanken zu dem Monatsspruch September


Liebe Mitmenschen in der Gemeinde und darüber hinaus,
die Seele - das ist so ein herrlich altmodisches Wort. Aber es umschreibt etwas für unser Leben unendlich Wichtiges.
Die Seele hat etwas mit dem „Atem des Lebens“, den nach uralter biblischer
Überlieferung Gott dem Menschen in die Nase geblasen hat, zu tun. Dieser Atem
des Lebens macht uns erst zu lebendigen Wesen. Und um die Seele soll es gehen.
Von ihr sagt Jesus:
Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Mt 16,26a
Die Welt gewinnen wollen ist ein urmenschliches Verlangen! Und jeder und jede von uns sind doch auch selber sehr darum bemüht, das Leben in den Griff zu bekommen. Leben soll gut und glatt gehen, soll Spaß machen, soll ohne dumme Zwischenfälle möglichst lange dauern. Unsere Geburtstagskarten bringen das auf den Punkt. Wir wollen die Welt gewinnen und so das Leben in den Griff bekommen.
Der namhafte Dirigent Christoph von Dohnany sagte einmal: „Wir leben in einer Zeit, in der wir glauben, dass es uns gut gehen muss und dass der Staat dafür verantwortlich ist. Ich glaube nicht, dass der liebe Gott sich das so gedacht hat.“
Was aber hat sich der liebe Gott gedacht, als er uns seinen Atem einblies?
Wenn ich auf diese große Frage mit nur einem einzigen Satz antworten sollte, dann möchte ich sagen: Wehe, das In-den-Griff-bekommen-Wollen des Lebens  nimmt uns so in Beschlag, dass wir nicht mehr schwach und hilfebedürftig sein können. Es gibt doch Leben, das nicht gelingt!
Und gerade die Zeiten, in denen Leben nicht gelingt, sind voller tiefer Erfahrungen
Gottes.
Wirklich reich in unserem Leben sind gerade die Zeiten, wo wir das Leben nicht im Griff hatten oder haben.
Da waren oder sind wir Gott näher als in Zeiten, wo alles glatt lief.
Die Seele wird reich in Zeiten, wo wir gefordert sind.
Gerade die schweren Dinge gewinnen und haben bei Christus ihren tiefen Sinn.
„Es ist noch nicht gesagt, wem wir einmal mehr zu danken haben: der Freude oder
dem Leid.“ Die Seele wird reich in Zeiten, wo sie gefordert wird. Das sind Zeiten, in
denen Raum ist für den Atem Gottes.
Wir leben gegenwärtig in einer Welt des Machens. Jesu schönes Wort vom Nichtverlieren der Seele erinnert daran, dass eben nicht alles machbar ist.
Wir können unser Leben nicht selbst versichern. Alles was unser Leben reich macht, verdanken wir anderen und anderem: Menschen, Umständen, Fügungen,
Bewahrungen, Zeiten der Freude und Zeiten der Belastung.
In dem allen und hinter dem allen spüren wir den Atem Gottes.
Schade wäre es, wenn wir dieses Gespür verlieren.

Einen schönen August und einen guten Start nach dem Urlaub
wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Ingo Arndt
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