Kreuzkirche-KW und Sprengel KW

 

Gedanken zu den Monatssprüchen Juni und Juli


»Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.«
                                                                           Jakobus 1, 19

Die Worte aus dem Jakobusbrief, der biblische Spruch für den Monat Juli, kommen wie aus einer anderen Welt.
Ja, das Hören hat sich verändert – die Zeiten der Aufmerksamkeit werden immer kürzer. Beiträge im Radio, die länger als 4 bis 5 Minuten sind, finden sich immer seltener. Alles nur eine Frage der Konzentration?
Ja, das Reden hat sich verändert – in Zeiten von social media geht alles sehr schnell, gerne auch anonym und mitunter sehr böse. Alles nur eine Frage des Anstandes?
Geblieben ist der Zorn – kübelweise wird er über Andersdenkende ausgekippt. Gute Fragen wider die schnellen Antworten haben es zunehmend schwer.
Gegen mangelnde Konzentration und schnelle Antworten sowie zur allgemeinen Entschleunigung hilft möglicherweise das, was der Monatsspruch für Juni nahelegt:

»Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.«
                                                                Sprüche 16, 24

Gemeindebriefduckerei

Freundlich und süß sind schon Hilfe genug! Aber heilsam auch für die Glieder? Da zeigt sich biblisches Denken, das besonders im Alten Testament immer auf den Körper bezogen ist. Ganz diesseitig!
In einem Vortrag des Berliner Bloggers und Journalisten Sascha Lobo findet sich dazu Erhellendes:
»Eine oft erzählte Anekdote hilft vielleicht dabei, die deprimierende, schlecht scheinende Realität zu drehen und Energie für das Gute oder zumindest für das weniger Schlechte daraus zu machen.
An einem regnerischen Tag des Jahres 1954 fuhr der zwölfjährige Muhammad Ali in Louisville zu einer Home Show, weil es dort kostenlose Hotdogs geben sollte.
Er fuhr dorthin mit seinem ganzen Stolz, nämlich einem rotweißen Fahrrad der Marke Schwinn, das sagenhafte 60 Dollar gekostet hatte. Nachdem er mit einem Freund die Home Show besichtigt hatte, wollte er zurück nach Hause – aber Schreck – das Fahrrad war gestohlen. Zorn, Enttäuschung, Deprimiertheit. Ali fragte einen Passanten, wo der nächste Polizist zu finden sei. Der sagte ihm, dort drüben sei Joe Martin, in dieser komi-schen Sporthalle. Joe Elsby Martin war tatsächlich Polizist, aber er war auch Boxtrainer und führte eine Boxhalle in Louisville. Als Ali ihm schilderte, dass er den bösartigen Fahrraddieb anzeigen und vermöbeln wolle, erwiderte Martin, vermöbeln könne man lernen – und zwar von ihm und hier, in der Boxhalle. Joe Martin wurde der erste Boxtrainer von Muhammad Ali, dessen Schaffen ich für die Weltgeschichte für wichtiger halte als für seinen Sport.«
Sei langsam zum Zorn und schnell zum Frieden, sagt die rabbinische Tradition.
In diesem Sinne wünsche ich einen guten Sommer, der zum Entschleunigen helfen möge,
                                      



Ihr Pfarrer Jonas Weiß-Lange


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